IST DIE TRADITIONELLE PR HEUTE ÜBERHAUPT NOCH ZEITGEMÄSS?

Gastbeitrag von Julia Ures

Ist die traditionelle PR heute überhaupt noch zeitgemäß?

„Traditionelle PR bringt doch 2017 nix mehr“. Das ist ein Satz, eine Haltung, die mir in der PR-Arbeit für Unternehmen nicht selten begegnet. ‚Bedrucktes Papier, das nimmt keiner mehr zur Hand. Radio hört niemand mehr. Fernsehen? Absterbender Ast!’. Soweit zu den Vorbehalten, weswegen Unternehmen keine Energie und kein Geld in traditionelle PR „verschwenden“ sollten. Aber sind sie bei näherer Beleuchtung halt-, belast- und tragbar? Nein, das sind sie meiner Meinung nach nicht. Lassen Sie mich im Folgenden kurz erklären, aus welchem Grund.

Keine Frage, PR-Wege zu beschreiten, macht Arbeit. Und mehr Kanäle zu bespielen, mehr Arbeit. Die kostet – unter Umständen – mehr Geld.

Nun. Ist das wirklich so? Jein. Je nachdem, wie geschickt Sie sich anstellen, kostet Sie jede Form der PR vielleicht auch einfach: gar nichts. Auf der anderen Seite entlastet sie Ihr Werbebudget, denn gut gemachte PR spart am Ende viel Geld für andere Kanäle des Marketings. Und wirkt nicht wie Werbung, sondern seriös, neutral.

Rein von der Begrifflichkeit sind traditionelle PR und neue Medien schon heute häufig nur sehr schwer abzugrenzen. Denn viele Medienprodukte gibt es auf mehreren Kanälen zeitgleich – online, in Print, in „herkömmlicher“ Ausstrahlung und im Social Web. Denken Sie an die traditionelle Tageszeitung, die eine offene, vielleicht zusätzlich eine durch Paywall geschützte Onlineausgabe genauso selbstverständlich anbietet wie einen Facebook-, Twitter-, Instagram-, Youtubekanal etc..

Und auch in der Nutzung sind die Übergänge fließend: Wir befinden uns 2017 in einer Zeit, in der wir und viele Andere – noch – die „alten Medien“ nutzen, aber auch neue Medien sich absolut etabliert und unseren Alltag erobert haben.

Wenn Sie an Ihr Umfeld denken, werden Sie feststellen: Fast niemand informiert sich heute ausschließlich über die gute, alte Tageszeitung. Andererseits genauso wenig nur über Social Media. Und: Nicht wenige, nämlich ein Großteil der Menschen unterscheidet immer noch, was „Gehalt“ und Seriosität von Informationen angeht. Und zwar abhängig davon, aus welcher Quelle sie sie beziehen. Viele internationale Erhebungen belegen dies wissenschaftlich.

Der Mix macht es eben. Genau diese gesamte Klaviatur können – und sollten – wir heute mit gut gemachter PR bespielen. Die richtige Ansprache an Redaktionen ist hier der Schlüssel zum Erfolg. Wer weiß, wie er geschickt den Redaktionen gegenüber auftritt, wird damit Erfolg haben und seine Meldungen in den Medien wiederfinden.

Wie stolz erlebe ich selbst jene Unternehmer, die sich zunächst gegen traditionelle PR als antiquiert wehrten, wenn sie dann von Vielen angesprochen werden, weil sie in der Samstagsausgabe der Zeitung erscheinen….!

Ein paar Beispiele, wie Sie PR zu Ihren Gunsten nutzen können:

Sie planen eine gehaltvolle, große Veranstaltung, zu der Sie alle einladen möchten? Dann los! Lassen Sie es die Öffentlichkeit wissen. Jede Form der PR und Werbung ist recht. Senden Sie eine Pressemitteilung an Redaktionen, wenn die Veranstaltung „interessant“ genug ist, laden Sie zu einer Pressekonferenz oder einem -gespräch, nutzen Sie das gute alte Mailing in Email- und Postform, bespielen Sie freie, lokale Veranstaltungskalender im Netz, legen Sie eine Facebook-Veranstaltung an, drucken Sie Plakate und Flyer, wenn Sie das Budget dazu haben: mieten Sie Werbeflächen, posten Sie Neugierde Weckendes bei instagram. Nutzen Sie Ihre eigene Homepage und erzeugen Sie auf ganzer Linie Neugierde und Begeisterung. Viel hilft viel? Nein: Gut gemacht hilft viel!

Es steht bei Ihnen eine Veranstaltung zum Beispiel mit prominenten Gästen wie Ministern etc. bevor? Oder aber Sie vergrößern Ihren Betrieb, investieren einen großen Betrag, bekennen sich zum Standort? Informieren Sie die Presse frühzeitig über einen konkreten Termin, laden Sie ein, ggf. planen Sie eine Pressekonferenz oder ein -gespräch. Im Zweifel berät Sie hier ein PR-Experte und greift Ihnen unter die Arme, Fallstricke oder ungünstige Formulierungen zu vermeiden.

Sie sind selbst Experte in Ihrem Fach-Gebiet und wollen Ihr Wissen gern teilen? Eine gute Idee (vor allem im B2C)! So – und versteckter – funktioniert heute das, was Experten unter Content Marketing verstehen. Und auch hierfür können, sollten Sie alle Formen der heutigen Medien nutzen. Das geht vom Essay in der Fachliteratur über Ihre Homepage bis hin zu Youtube-Videos.

Vielleicht sagen Sie: „Über mich oder uns gibt es gar nichts Spannendes zu berichten. Und auch große Veranstaltungen haben wir nur sehr selten.“ Mitnichten. Spannende Geschichten lauern überall, manchmal gilt es sie nur zu entdecken. Sie müssen die Pressevertreter, darauf aufmerksam machen. Von alleine wird nur sehr selten jemand auf Sie zukommen.

Praxis-Tipp hierzu: Achten Sie zunächst im Bekannten- und Freundeskreis darauf, was von dem, was Sie aus dem Unternehmen erzählen, interessiert aufgenommen wird. Sie erlauben Mitarbeitern, ihre Hunde mit ins Büro zu nehmen? Sie beschäftigen Menschen mit Einschränkungen und kommen diesen besonders entgegen? Sie verarbeiten nur ganz bestimmte, z.B. regionale oder in bestimmter Weise hergestellte Produkte? Sie haben andere Standards als andere Unternehmen, die Sie stark von diesen unterscheiden?

Sie exportieren in einer Branche nach Übersee, in der man es nicht vermutet, Sie haben ein besonders soziales Engagement, Sie als Unternehmerpersönlichkeit haben einen Lebenslauf mit ungewöhnlichen Brüchen, – spannende „Stories“ können so vielfältig sein wie Unternehmen es sind.

Vielleicht ist das Berichtenswerte für Sie selbstverständlich – für Andere ist es das nicht.

Vertrauen Sie hier auf Ihr Umfeld: Was dort auch Fachfremde aufhorchen lässt, kann auch für die Presse interessant sein. Häufig hilft der Blick von Außen.

Zusammenfassend lässt sich aus meiner Erfahrung sagen: „traditionelle PR“ ist nicht out und sie und die neuen Medien schließen sich nicht aus, im Gegenteil: Sie ergänzen sich.

Ohne Frage: Die Medienlandschaft verändert sich gerade rasant, wird sich in den kommenden Jahren weiter verändern, auch verändern müssen. Aber es bleibt festzuhalten: 2017 befinden wir uns an einem Punkt, an dem die „traditionellen“ Medien und die neuen nebeneinander bestehen und viele Menschen Beides nutzen. Nutzen SIE diese Vielfalt geschickt für Ihre PR!

Das als kurzer Einstieg ins Thema, natürlich ließe sich noch lange darüber beraten und diskutieren. Ich freue mich drauf! Für Fragen stehe ich Ihnen jederzeit gern zur Verfügung.

Stand: Sommer 2017

Julia Ures ist Moderatorin und PR-Expertin. Kontakt: www.juliaures.de 

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